Das neue Modell auf dem Prüfstand
Nintendo 3DS XL: Größer! Aber auch besser?

Keine 18 Monate nach der Veröffentlichung des 3DS schiebt Nintendo ein neues Modell der hauseigenen Handheld-Konsole nach. Die XL-Variante ist, wie schon damals der DSi XL, deutlich größer als das Original und bietet ein paar Neuerungen. Ob sich der (Neu-)Kauf lohnt?

Der XL ist wirklich deutlich größer. (Foto: Nintendo)

Der XL ist wirklich deutlich größer und besitzt abgerundete Flächen. (Foto: Nintendo)

Diejenigen, die noch keinen 3DS besitzen, dürften sich beim ersten Auspacken wundern: Dem 3DS XL liegt kein Netzteil mehr bei. Eine Ladeschale, wie sie der ersten Auflage der tragbaren Spielemaschine spendiert wurde, sucht man ebenfalls vergebens. Das bedeutet, dass man sich zwingend zum rund 200 Euro teuren XL noch ein Ladekabel zulegen sollte – sonst ist der Spaß von kurzer Dauer und der Weg zum nächsten Händler ein Ärgernis. Nintendo wollte sparen, die Verantwortlichen gehen wohl auch davon aus, dass viele 3DS-Spieler umsteigen wollen. Dumm nur, dass der wuchtigere XL nicht in die Plastikvorrichtung des „alten“ 3DS passt. Das normale Kabel dagegen schon.

Designänderungen

In erster Linie nur größer. (Foto: Nintendo)

In erster Linie nur größer. (Foto: Nintendo)

Ist diese erste Hürde genommen, fällt freilich die Größe des 3DS XL sofort ins Auge.  Jeder Display legte deutlich zu, der Touchscreen besitzt jetzt eine 9 Zentimeter-Diagonale (vorher: 8cm), der 3D-Bildschirm wächst auf 12,5 Zentimeter (ehemals 10,5cm). Hinzu gesellen sich weitere Designveränderungen: Der Stylus kommt wieder auf der rechten Gehäuse-Seite unter – wie schon damals beim DS oder DSi. Zudem handelt es sich um einen vollwertigen Stift, der nicht mehr ausgeschoben werden muss. Die Tasten Home, Start und Select wurden durch richtige Knöpfe ersetzt, genauso ist der Abstand zwischen Touchscreen und 3D-Display etwas größer. Eine sinnvolle Entscheidung. Vorbei ist ferner die Zeit der lackierten Oberflächen. Es dominiert nun ein matter Look, der den 3DS XL ein bisschen die Wertigkeit nimmt. Aber keine Sorge – von einem billigen Stil kann hier wahrlich nicht die Rede sein. Trotzdem wirkt der „alte“ 3DS doch etwas attraktiver.

Was grundsätzlich unverständlich ist: Nintendo sparte sich beim XL den zweiten Circle-Pad für die rechte Seite. Versprochen wird uns ein separates Zubehör für den neuen 3DS – genauso wie beim „Vorläufer“. Wieso nicht gleich einer fest verbaut wurde? Nicht nachvollziehbar. Andererseits unterstützen derzeit sowieso nur die wenigsten Spiele den ergänzenden Circle-Pad – aber genau das hätte sich durch eine feste Integration ändern können. Suboptimal ist das auf jeden Fall. Löblich dagegen: Die 2GB-Speicherkarte des 3DS wurde durch eine 4GB-Karte getauscht. Also gibt’s mehr Platz für Downloads, Spielstände, Videos und dergleichen.

Übrigens ein Tipp am Rande: Umsteiger vom 3DS auf den XL können alle ihre Daten komplett transferieren, natürlich auch gekaufte Games.

Größere Bildschirme, aber…

Keine Frage: Die größeren Displays sind auf den ersten Blick beeindruckend – wenn man 3DS-Spiele verwendet, die viel Wert auf eine räumliche Tiefe legen. „Super Mario 3D Land“ oder „Kid Icarus“ zum Beispiel. Anders sieht es aus, nutzt man „kleinere“ Download-Titel oder gar GBA-Spieleklassiker aus dem eStore (Virtual Console). Spätestens dann wird deutlich, dass an den Auflösungen der Bildschirme nichts verändert wurde und das Gezeigte sozusagen nur hochskaliert wird. Die Konsequenz: dezent verwaschene Szenen. Das ist ganz klar ernüchternd, vor allem weil das Problem quasi alle NDS-Module betrifft.  Sicherlich kann man diese nach wie vor gut spielen, aber ein fader Beigeschmack bleibt. Vermutlich ist technisch gar keine andere Lösung möglich.

Aufgrund der größeren Bildschirme verbaute Nintendo einen stärkeren Akku. Im Realbetrieb bekommt man dies sogar mit, bei durchschnittlicher Helligkeit und aktiviertem 3D verlängert sich die kontinuierliche Spieldauer um bis zu zwei Stunden. Deutlich mehr ist „rauszuholen“, schaltet man den Stromsparmodus ein beziehungsweise 3D ab. Bis zu acht Stunden sind hier im visuell schlimmsten Fall drin, auf normalen sowie für die Augen attraktiveren Einstellungen hat man bis zu fünf, sechs Stunden am Stück seine Freude.  Alles in allem ist die Akkulaufzeit dezent höher, aber noch immer nicht das Maß aller möglichen Dinge. Da schaffte der DSi damals deutlich mehr – aber der besaß auch keine hochauflösenden Bildschirme und 3D.

Fazit

Matte Farbe, aber der rote 3DS XL hat Stil! (Foto: Nintendo)

Matte Farbe, aber der rote 3DS XL hat Stil! (Foto: Nintendo)

Der 3DS XL ist fraglos ein sinnvoll verbessertes Modell, das gerade durch die wunderbar großen Displays und die intelligenten Layout-Optimierungen gefällt. Trotzdem bleibt etwas Enttäuschung: Kein Netzteil, keine zweite Analogpad-Scheibe, nach wie vor keine wirklich zufriedenstellende Akkulaufzeit (man schaue auf die kurze Standby-Zeit im Vergleich zur PlayStation Vita). Bei älteren Spielen (NDS, NES, GBA, viele Games aus dem eStore) fällt auch auf, dass die Software-Skalierung nicht perfekt arbeitet und das Bild dadurch verschwommen oder pixelig aussieht. 3DS-Besitzer erhalten hier abgesehen von dem Aspekt der „Größe“ keinen nennenswerten Grund, sich den XL zuzulegen.

Gänzlich anders sieht es aus, hat man schon lange mit dem 3DS geliebäugelt. Dann bekommt man mit dem XL eine ausgereifte Handheld-Konsole mit einem soliden Software-Angebot und der nach wie vor beeindruckenden 3D-Fähigkeit. Möchte man sowieso hauptsächlich 3DS-Spiele erleben, fallen die Makel bei der Darstellung älterer Games eh nicht ins Gewicht. Ärgerlich bleibt das Fehlen des Netzteils, glücklicherweise gibt es längst preisgünstiges Zubehör. Und Ladekabel vom (3)DS(i) kann man ja auch verwenden.

Alles in allem bleibt der 3DS im XL-Format eine Empfehlung, trotz der Tatsache, dass Nintendo viele Wünsche der kritischen Fans ignoriert hat. Stichwort Circle-Pad….

Der Nintendo 3DS XL ist ab sofort für 199 Euro (UVP) in den Farben Blau, Rot und Silber erhältlich. Einen offiziellen Power-Adapter bietet Nintendo für knapp 13 Euro an.

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